Das Erbe der Elfen

Die Hexer-Saga – Andrzej Sapkowski

Geralts Gesicht wirkte wie aus Stein. „Das war sehr schön und höflich von dir, Ciri.“, sagte er, „dass du Frau Merigold einen längeren Aufenthalt in Kaer Morhen angeboten hast. Ich bin stolz auf dich.“
Ciri wurde rot, lächelte breit. Die Zauberin gab ihr das nächste vereinbarte Zeichen.
„Und jetzt“, sagte das Mädchen und reckte die Nase noch höher, „lasse ich euch allein, damit ihr mit Triss verschiedene wichtige Angelegenheiten erörtern könnt. Frau Merigold, Onkel Vesemir, meine Herren… ich verabschiede mich. Vorerst.“ Sie machte einen anmutigen Knicks, worauf sie den Saal verließ, langsam und würdevoll über die Treppe schritt.
„Verdammt“, brach Lambert das Schweigen. „Wenn ich daran denke, wie ich nicht geglaubt habe, dass sie wirklich eine Prinzessin ist.“
„Habt ihr verstanden, ihr Tölpel?“ Vesemir blickte in die Runde. „Wenn sie am Morgen das Kleid anzieht… Dass es mir dann keinerlei Übungen gibt… Ihr versteht?“
Eskel und Coen bedachten den Alten mit Blicken, denen es gänzlich an Ehrerbietung fehlte. Lambert prustete unverhohlen los. Geralt schaute die Zauberin an, und die Zauberin lächelte.
„Ich danke dir“, sagte er. „Danke, Triss.“
– Das zweite Kapitel | S. 91 –

Klappentext: Seit dem blutigen Überfall auf Cintra ist Cirilla, die Thronerbin des Reiches, verschollen. Gerüchte werden laut, dass sie nicht tot ist, sondern von Geralt, dem Hexer, an einen geheimen Ort gebracht wurde. Es scheint, als besitze sie großes magisches Potential. Oder ist sie nur das Medium einer bösen Macht? Der halb verfallene Stammsitz der Hexer wird zum Schauplatz einer großen Prüfung…

„Das Erbe der Elfen“ ist der Auftakt der High Fantasy Hexer-Saga von Andrzej Sapkowksi, welcher auf 380 Seiten die abenteuerliche Geschichte der Prinzessin Cirella und dem Hexer Geralt erzählt. Unterteilt ist es in sieben große Kapitel, welche jeweils mit einem längeren Zitat einer Figur des Universums eingeleitet wird. Dadurch wird die Grundstimmung des Kapitels, sowie ein Motiv des Inhalts, bereits vorgestellt.

Erzählt wird die Handlung aus der Sicht eines auktorialen Erzählers, wobei abwechselnd die Sicht der Protagonisten in den Mittelpunkt gestellt werden.

Kurzgefasst handelt der Auftakt von Ciri, welche durch Geralt gerettet wird, nachdem sie aus Cintra fliehen musste, da es zerstört wurde und sie fortan gesucht wird. Geralt, mit welchem sie durch das Schicksal verbunden ist, nimmt sie daher mit zum Stammessitz der Hexer und beginnt mit ihr die Ausbildung. Jedoch wird ihm schnell klar, dass in ihr mehr magisches Potential schlummert, als sie vorerst angenommen haben – und sie gefährlicher sein könnte, als sie erahnen. Daher ersucht er Hilfe bei Yennefer, mit welcher ihn tiefe Gefühle und eine lange Geschichte verbinden.

Der Titel „Das Erbe der Elfen“ ist klug gewählt. Da die Elfen eine besondere Rasse im Universum der Hexer-Saga darstellen, spielen sie auch im Auftakt eine enorme Rolle. Vor allem die jungen Elfen werden fokussiert – und auch Cirella spielt hierbei eine tragende Rolle.

Das Cover ist eindeutig ein Blickfänger. Es ist in Blau- und dunklen Grautönen gehalten, während der Fokus auf dem Emblem liegt, welches einen silbernen Wolf zeigt. Auch die Titelschrift ist in Silber gehalten. Besonders ist jedoch, dass es eine gewisse Textur zum Anfassen hat.

Der Plot wirkt zunächst etwas ungestüm, ohne großartige Vorbereitungs- oder Kennenlernzeit. Kennt man die Vorgeschichte oder die Netflix-Serie nicht, dann scheint es, als würde man in Mitten der Handlung reingeworfen werden. Ich kannte die Serie bereits, wodurch ich wusste, woran in diesem Buch angeschlossen wird und hatte bereits eine Orientierung.

Man landet in einem wilden Abenteuer, gespickt mit einer ordentlichen Prise Humor und den deutlichen unterschiedlichen Regungen der Figuren. Im Fokus stehen eindeutig Cirilla und Geralt, insbesondere Ciris Entwicklung zur Hexerin. Jedoch wird die Leserschaft von einem Abenteuer ins andere geworfen, wodurch es nicht langweilig wird.

Der rote Faden von Ciris Entwicklung wird zwar verfolgt, doch die Handlung durch spannende Nebenabenteuer ergänzt. So erfährt man auch mehr über die politischen Machtverhältnisse und Pläne, von denen Geralt und Siri noch nichts wissen. Oder von Yennefer und den anderen Magiern, bevor Geralt mit ihr in Kontakt tritt. Aber auch die Rasse der Elfen wird gebührend vorgestellt, deren Geschichte erläutert und die momentanen Geschehnisse, um die Erben der Elfen rankend. – Und natürlich dürfen die berühmten Monsterjagden des Hexers nicht fehlen.

Als Leser*in ist man überall und es passiert ständig etwas. Innerhalb der Handlung wirkt es chaotisch, doch ich als Leserin hatte einen sehr geordneten Eindruck, sodass ich alles entspannt verfolgen und genießen konnte. Mir hat es überaus gut gefallen, insbesondere die kleinen Witzeleien zwischen durch, welche die Spannung zusätzlich etwas aufgelockert haben.

Die Charaktere sind alle sehr unterschiedlich und sehr bildhaft dargestellt. Da es viele Dialoge innerhalb der Erzählung gibt, wurde es leichter sich die Person wirklich vorstellen zu können, insbesondere in Aktion mit einer anderen Figur. Am liebsten mochte ich die Zwerge, aufgrund ihrer derben und lustigen Art. Aber auch Geralt, Ciri und Yennefer sind sehr tiefgründig und in ihrer Art sehr unterschiedlich. Während Ciri sich ihrem Alter entsprechend verhält und insbesondere mit den Problemen eines jungen Fräuleins zu kämpfen hat, wird das Verhältnis von Geralt und Yennefer immer wieder betont. Geralt ist besonnen, wirkt manchmal ein wenig verbittert und gleichzeitig hat er so überhaupt keine Lust in all diese Situationen zu geraten. Und Yennefer möchte eigentlich nur ihr eigenes Ding machen, als unnahbare und mysteriöse Zauberin, aber doch kann sie Ciri nicht widerstehen.

Oh, und natürlich darf ich Rittersporn nicht vergessen! Der Barde, welcher als zusätzlicher lustiger Faktor und guter Freund Geralts dient. Seine Stellen mochte ich am liebsten.

Fazit
Ein toller Auftakt. Ich weiß, die Hexer-Saga gibt es schon lange und für manche ist es vielleicht schon ausgelutscht. Aber mich hat jetzt richtig das Fieber gepackt und ich empfand die Handlung als richtig spannend, abwechslungsreich und bewegt. Die Charaktere habe ich alle gemocht und die Schauplätze sind sehr bildhaft beschrieben, sodass man sie sich wirklich vorstellen kann. Lediglich die Dialoge empfand ich an wenigen Stellen als langatmig, wurden aber durch fesselnde Traumpassagen oder Erinnerungen wieder wett gemacht. Allgemein wurden viele verschiedene Techniken benutzt, um die Handlung so spannend wie möglich zu erzählen!

Wer diese Saga noch nicht kennt, sollte sie aber auf jeden Fall lesen! Ich stürze mich baldig auf den zweiten Teil.

Eure Isa

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