Die Welt(en) der Rabenringe

In der Rabenringe-Trilogie von Siri Pettersen wird nicht nur eine Welt beschrieben, sondern ganze drei, da jeder Band in einer anderen Welt spielt. Zudem soll es noch viel mehr geben!

Doch in diesem Post stelle ich dir erst einmal die Welt(en) der Rabenringe vor!

selbst gebastelt, aus Odinskind entnommen

Ym
Lage: Ym oder auch Ymsland genannt, ist das Land, in welchem sich die Handlung aus Band 1 abspielt. Es umfasst elf eigenständige Reiche, die jedoch alle einer Hauptregierung unterstehen. Zentrum der Handlung ist das Reich Manfalla, mitsamt der Stadt Manfalla, Teilstadt Eisvaldr und Fürstentum Ravnhov.
Hauptstadt: Die Hauptstadt ist Manfalla in Manfalla. Zentrum jener Hauptstadt ist Eisvaldr, aus welchem Teil der Rat regiert.
Regierung: Der Rat der Zwölf, welcher dem Seher untersteht. Jene sind an dem schwarzen Rabenmal auf ihrer Stirn zu erkennen und ihren weißen Kutten.
Der Seher dagegen verweilt in Form eines Raben in Eisvaldr und wird vom Rabenträger getragen, der als direkter Sprecher des Sehers fungiert.
Sprache: Im Land wird Ymsländisch gesprochen, wobei die Sprache in diverse Dialekte unterteilt ist. So spricht jemand aus Foggard anders als jemand aus Klev.
Volk: Bevölkert wird Ym von den Ymlingen, welche sich in allerhand einfachen Berufen wiederfinden. Nur denen, die die Gabe stark umarmen können, ist es vorbehalten in Eisvaldr für den Rat zu arbeiten und in der Bevölkerungsschicht aufzusteigen. Ebenso gibt es Ratsfamilien, welche den zukünftigen Nachfolger im Rat stellen und als den Adel der Ymlinge gelten. Der Ratssitz geht durch Blutsverwandschaft über.
Besonderheit: In Ymsland fließt die Gabe.
Nicht alle Reiche unterstehen der direkten Regierung des Rates, wie Ravnhov, die sich offiziell gegen das Ritual und den Rat aussprechen. Dort herrscht Fürst Eirik, welcher nicht an den Seher glaubt, sondern an die alten Götter. Auch die Reiche im Süden sind vom Rat freier und verwalten sich selbst – was nicht heißt, dass es gutgeheißen wird.
Inspiriert von: Die Landschaft ist von den skandinavischen Ländereien inspiriert, während der Seher und der Glaube der Ymlinge Parallelen zur nordischen Mythologie aufweisen, insbesondere im Rabenkult oder dem Odinskind zu sehen.

selbst gebastelt, aus Fäulnis entnommen

Europa
Lage: Europa ist der realen Welt entnommen und wird 1:1 so dargestellt, wie es wirklich ist.
Hauptstadt: Jedes europäische Land hat seinen eigenen Sitz. Für die Handlung wichtig sind Stockholm in Schweden, Venedig (keine Hauptstadt) und Rom in Italien, York (keine Hauptstadt) in Großbritannien und Paris in Frankreich.
Regierung: Auch innerhalb der Länder gibt es jeweils eine eigene Regierung. Für die Handlung ist jene aber nicht relevant.
Sprache: Jedes Land spricht seine eigene Sprache. Hirka versteht allerdings nur Englisch, während Stefan mehrere Sprachen spricht, darunter Englisch, Schwedisch und Italienisch.
Volk: Bevölkert wird Europa von Menschen, auch Europäer genannt. Anders als zur realen Welt gibt es in Pettersens Europa die Vergessenen, welche innerhalb der Rasse der Menschen nochmals genauer erläutert werden.
Besonderheit: Europa ist durch Rabenringe mit anderen Welten verbunden. Diese sind natürlich nicht wirklich existent. Zudem herrscht dort nicht die Gabe vor, wodurch die Welt nichts gegen ihre Vergänglichkeit tun kann.

selbst gebastelt, aus Gabe entnommen

Dreysíl
Lage: Dreysíl ist das Land der Umpiri, welches nur durch ein Steintor erreichbar ist. Es ist eine gänzlich vom Eis verhüllte Landschaft mit vielen Ruinenstädten, da das Volk der Umpiri in einem Krieg dezimiert wurde und die Geburtenrate sehr niedrig ist.
Hauptstadt: Die Hauptstadt ist Ginnungad, deren Stadtplan auf dem Foto skizziert ist. Sie ist komplett unterirdisch und wird von einer dicken Eisdecke geschützt.
Aufgebaut ist sie durch mehrere Wege und Straßen, die einfach innerhalb einer Schlucht in die Erde gehauen wurden. Es gibt viele Höhlen zur landwirtschaftlichen Nutzung, sowie den Krater, in welchem Ausrufungen stattfinden.
Große Teile der Hauptstadt wurden mit Gabenglas gefertigt, sodass sich Häuser der Adelsfamilien von der Anderen unterscheiden.
Regierung: Die Umpiri sind in verschiedene Häuser eingeteilt. Haus 1 ist das mächtigste Haus, welches Hods Haus ist. Demnach hat Hods Haus das Sagen und verwaltet die restliche Rangordnung. Je näher ein Umpiri den Ersten ist, desto höher ist seine Chance mit seinem Haus aufzusteigen – oder je besser er mit Hods Haus steht.
Die ersten zehn Häuser bilden zusammen einen Rat, doch die oberste Gewalt obliegt dem 1. Haus.
Sprache: Gesprochen wird Umǫni, die offizielle Sprache der Umpiri. Dialekte oder Sprachabwandlungen werden nicht genannt.
Volk: Bevölkert wird Dreysíl lediglich von Umpiri.
Beschreibung: Es herrschte einst die Gabe vor, doch sie haben sie im Krieg verloren.
Abgesehen von Ginnungad gibt es keine funktionierende Stadt der Umpiri mehr. Außerdem gibt es innerhalb des Landes keine Vegetation – es herrscht immer Winter vor. Jedoch gibt es einen milden und einen harten Winter. Im milden Winter hört man das Eis brechen, welches die Hauptstadt schützt.
Inspiriert von: Eine wirkliche Inspiration ist nicht bekannt, doch mich hat es an die Inuit erinnert, die ebenfalls in eisigen Regionen leben. Um in der nordischen Mythologie zu verbleiben, erinnert es auch irgendwie an Niflheim, welche als eisige Region oder Welt dargestellt wird.

Rassen
Innerhalb der Trilogie gibt es drei verschiedene Rassen.

Ymlinge
Ymlinge sind die Bevölkerung von Ymsland und ein gar schon menschliches Volk, ausgestattet mit einem langen Schwanz, den sie mit Ringen schmücken. Mit fünfzehn muss ein jeder Ymling zum Ritual nach Manfalla, denn dort wird erprobt, inwiefern er der Gabe mächtig ist und umarmen kann. Ist er ein mächtiger Umarmer, wird er in die Reihe des Rats aufgenommen und darf in Eisvaldr einen höheren Beruf ausüben. Wenn nicht, geht er zurück in sein Heimatreich. Jene sind meist dörfliche Gegenden, in welchen Ymlinge ganz normale Berufe ausüben, wie Schmied, Bauer, Kräuterkundige oder im Handel.
Ratsfamilien leben bereits in Eisvaldr und bereiten ihre Sprösslinge auf den Sitz im Rat vor. Der Kontakt zu einfachen Ymlingen wird vermieden. Zudem schwelgen sie in Luxus, während die einfache Bevölkerung sich in den meisten Fällen gerade so ernähren kann.
Allgemein herrscht der Glaube an den Seher vor, welcher für die Gabe verantwortlich ist und sie dem Volk bereitstellt. Alle Ymlinge leben nach dem Weissagungen des Sehers, damit er ihnen Schutz vor dem Blinden (Umpiri) gibt. Nur die Einwohner auf Ravnhov haben dem Seher abgeschworen.

Menschen, auch Menskr genannt
Die Menschen kommen nur in Europa vor, im zweiten Band der Trilogie. Sie werden nicht weiter beschrieben, außer als sterbende, zeitlich begrenzte Wesen. Sie agieren und arbeiten wie der realen Welt entnommen.
Eine Besonderheit sind jedoch die Vardar, die Vergessenen. Jene sind Blutsklaven, welche von den Totgeborenen (Umpiri) abhängig sind, indem sie von deren Blut trinken. Das verhilft ihnen zu einem längeren Leben. Jedoch ist es dem Totgeborenen jederzeit möglich den Vergessenen in seiner Abhängigkeit alleine zu lassen, wodurch er – je nach bereits gelebter Länge – einen qualvollen und schnellen Alterungs- und Sterbensprozess durchlebt.

Umpiri, auch die Blinden, die Totgeborenen oder Nábyrn genannt
Die Umpiri sind ein Volk, welche vor allem in Dreysíl beheimatet ist. Jedoch haben sie durch die Steintore die Möglichkeit in jede Welt zu reisen. Daher leben auch welche in Europa. In Ym werden sie als Feinde gesehen und gefürchtet, aufgrund ihres untoten Aussehens. Denn allen Umpiri ist gemein, dass sie weiße blinde Augen besitzen, die sich je nach Gemütszustand verdunkeln können. Ob sie eine Pupille besitzen, ist nicht bekannt. Zudem sind sie alle von einer gewissen Schönheit geprägt. Stärke und Arroganz sind Eigenschaften, die sie sehr zu schätzen wissen. Je höher gestellt ein Umpiri, desto freizügiger dessen Kleidung, da sie als Schwäche angesehen wird. Auch können Umpiri mehrere tausend Jahre alt werden. Jedoch sind auch sie nicht ganz vom Alterungsprozess ausgeschlossen und wenn sie altern, versterben sie schnell.
Die Gesellschaft der Umpiri lässt sich in drei Schichten aufteilen: Dreyri, den Adel; Hauslose, gewöhnliche Umpiri und Gefallene, welche aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden.
Dreyri bilden die Oberschicht und sind meistens innerhalb der ersten fünf der zehn Häuser vertreten. Sie sind abstämmig von den Ersten und sehen sich als deren direkte Nachkommen.
Hauslose arbeiten für die Dreyri und finden sich in sonstigen Berufen. Sie bilden sogesehen die Mittelklasse.
Gefallene haben das oberste Gesetz der Umpiri gebrochen: ein Umpiri darf keinen Umpiri töten. Demnach sind sie in Ungnade gefallen und leben in einem ärmlichen Viertel. Sie sind mit einem Tropfen auf ihrer Stirn gekennzeichnet und verrichten die Arbeiten, die sonst keiner tun will. Häuser halten sich gerne Gefallene um sie für Expeditionen und Reisen als Packesel mitzunehmen oder um sich so vor anderen Gefallenen schützen zu können.
Allen Umpiri ist gemein, dass sie nach der Gabe dürsten.

Fazit
Ich finde, Siri Pettersen hat sehr interessante Welten geschaffen, mitsamt wirklich tollen Rassen, die alle durch die besondere Gabe geeint, aber auch zerrissen sind. Insbesondere die Umpiri sind meine Lieblinge – sie erinnern mich irgendwie an eine Mischung aus Vampiren und Untoten, dennoch mit Schwächen bestückt. Gleichzeitig merkt man den Welten immer ihre eigene Herkunft an, die sie hinein fließen lässt. Die Verbindung zu den skandinavischen Ländern und der nordischen Mythologie ist schön verarbeitet und gefällt mir wirklich gut.
Es sind also keine Länder, in denen einfach alles friedlich ist. Nein, sie sind von Vergänglichkeit und Angst geprägt. Insbesondere Europa wird in Fäulnis negativ beleuchtet um auf unsere momentane Problematik aufmerksam zu machen: die Erde stirbt. Gleichzeitig wird aber auch Hoffnung geschürt: wir selbst haben die Macht, etwas zu ändern.
Aber noch interessanter finde ich den Aspekt, dass Pettersen ein ganzes, verbundenes Universum andeutet. Es gibt diese drei Welten aber eigentlich noch viele mehr. Das ist ein Gedanke, der mir besonders gut gefällt. Von mir aus könnte es noch einige Bücher mehr in diesem Universum geben!

Ich hoffe, der Post konnte manche Begrifflichkeiten besser erläutern und zuordnen. Wie findest du die Welt? Lass‘ es mich gerne wissen.

Deine Isa!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.