Das Gold der Krähen

Leigh Bardugo

„Wie würden dir einhundert Kruge gefallen?“
„Wo ist der Haken?“
„Genau. Van Eck macht es uns zu einfach. Er behandelt uns wie Auguste. Aber er ist nicht im Barrel geboren, und wir sind kein Haufen dummer Vögel, die sich auf den ersten glänzenden Köder stürzen, den er auslegt. Van Eck will, dass wir glauben, dass sie auf dieser Insel ist. Vielleicht ist sie das auch. Doch er wird mit jeder Menge Waffen dort auf uns warten und vielleicht sogar mit ein paar Grisha, die auf Parem sind.“
„Schlag immer dort zu, wo der August nicht hinsieht“, murmelte Wylan.
„Beim guten Ghezen“, sagte Jesper. „Du bist hier gründlich verdorben worden.“
Kaz klopfte mit dem Krähenkopfstock auf die Steinfliesen der Gruft. „Wisst ihr, was Van Ecks Problem ist?“
„Mangelnde Ehre?“, fragte Matthias.
„Ist mies als Vater?“, sagte Nina.
„Die Stirnglatze?“, meinte Jesper.
„Nein“, sagte Kaz. „Er hat zu viel zu verlieren. Und er hat uns eine schöne Schatzkarte vorgelegt, was wir uns zuerst holen sollten.“
– Kaz, Matthias, Wylan, Nina und Jesper | S.124 –

Klappentext: Kaz Brekker und seinen Krähen ist ein derart spektakulärer Coup gelungen, dass sie selbst nicht auf ihr Überleben gewettet hätten. Statt der versprochenen fürstlichen Belohnung erwartet sie jedoch bitterer Verrat, als sie in die Hafenstadt Ketterdam zurückkehren. Haarscharf kommen die Krähen mit dem Leben davon. Als Inej in Gefangenschaft gerät, zeigt sich, dass Kaz seinen Spitznamen ‚Dirtyhands‘ nicht ohne Grund trägt – von jetzt an ist ihm kein Deal zu schmutzig und kein Risiko zu groß, um die junge Spionin zu befreien und seinen betrügerischen Erzfeind Pekka Rollins zu vernichten.

Meine Bewertung:
Anmerkung: ich beziehe mich lediglich auf die deutsche Ausgabe

„Das Gold der Krähen“ ist der zweite Band der Krähen-Dilogie, welcher auf 579 Seiten direkt an den Plot aus dem vorherigen Buch „Das Lied der Krähen“ anschließt. Dieser Teil ist jedoch in sechs verschiedene Teile untergliedert, die jedoch immer miteinander in Zusammenhang stehen. Nach Abschluss der Handlung und vor der Danksagung findet sich ein Glossar, welches alle wichtigen Charaktere beeinhaltet, die innerhalb der zwei Bücher Erwähnung finden. Wie auch im „Lied der Krähen“ wird die Handlung aus verschiedenen Charaktersichten entfaltet, die sich pro Kapitel abwechseln. Dieses Mal erfährt man jedoch auch mehr über die Charaktere an sich und es wird nicht bloß der vielseitigen Haupthandlung gefolgt.
Der Krämer van Eck hat die Bande ausgetrickst und damit offengelegt, dass Kaz Brekker nicht unfehlbar ist. Durch einen dummen Fehler, wodurch er seine Schwäche Preis gab, wurde Inej – die ihm wichtiger ist, als der Protagonist sich eingestehen will – entführt. Natürlich ist es klar, dass die Bande um Brekker sie zurückhaben möchte und sie schmieden einen Plan. Doch natürlich ist das nicht alles. Dirtyhands will Rache und Vergeltung für den Betrug. Sie entschließen sich also es van Eck heimzuzahlen, wobei viele unvorhergesehene Dinge passieren: Jespers Vater taucht auf, Nina ist ihrer Macht nicht mehr mächtig, Wylan steht im Gewissenskonflikt, Inej wird stark zugesetzt und Kaz muss mit seinem Trauma und seinen Gefühlen kämpfen. Doch wird im Laufe der Handlung klar, dass er nicht umsonst das Genie des Barrels ist.

Der Titel „Das Gold der Krähen“ unterscheidet sich vom englischen Titel „Crooked Kingdom“, doch im Gegensatz zum Vorgängerbuch finde ich ihn hier durchaus passend. Es wird wieder auf die Bande um Kaz Brekker verwiesen, die sich die ‚Krähen‘ nennen und auch das Gold verweist auf einen großen Teil der inhaltlichen Haupthandlung.

Das Cover ist im Gegensatz zum Vorgängerbuch nicht wirklich düster gestaltet, sondern in satten Orangetönen, die lediglich durch weiße und wenig rote Akzente durchsetzt werden, sowie durch das Schwarz der Krähe und den Schatten der Stadt durchbrochen werden. Ganz klug gelöst: es wird eine Skyline abgebildet, die in den Flügel der Krähe eingebettet ist. Somit wird Ketterdam mit den ‚Krähen‘ verbunden. Der Buchschnitt ist in einer satten orangene Farbe gewählt, während der weiße Titel des Buches durch Prägung hervorsticht. Auf dem Buchrücken ist der Brustbereich der Krähe abgebildet und recht ähnlich zur Gestaltung des ersten Buches der Dilogie.
Erneut lassen sich auf dem Cover viele Hinweise auf die Inhalte des Buches finden: die Skyline von Ketterdam, die Krähe für die Bande und die satten Orangetöne können als Gold interpretiert werden.

Der Plot, der sich nun vor allem mit Inejs Rettung, der Rache an van Eck und Kaz‘ persönlichem Bösewicht beschäftigt, ist genau so wie im „Lied der Krähen“ sehr interessant und aufregend. Leider hatte das Buch aber auch Momente, in denen es eher gestreckt und langwierig wirkt. Vor allem bis zur ersten Hälfte kämpfte ich mich ein wenig durch, da ich die Rettung um Inej sehr langatmig empfand. Erst ab der Mitte des Buches, langsam zum Finale hin, keimt die Spannung endgültig wieder auf und packte mich förmlich. Es gibt einige spannende Momente, wie die Machtveränderung bei Nina, weitere Feinde in Form von Kherguud, Wylans wahre Vergangenheit oder auch der Racheplan an van Eck – und ich musste sogar das eine oder andere Tränchen verdrücken, vor allem als es um Kaz oder Matthias ging. Umso trauriger war ich dann, als es fertig war. Ja, ich würde mir noch ein drittes Buch wünschen!

Die Charaktere sind konstant interessant geblieben und haben nur noch mehr Tiefe erhalten, durch die kleinen Nebenstories, die sich pro Kapitel pro Charakter entfalten. Umso schlimmer war es sie am Ende gehen zu lassen. Buchstäblich, denn es ist auch ein emotionaler (nicht vorauszusehender!) Tod zu verzeichnen.
Nebenbei vertiefen sich die Liebesbeziehungen zwischen den Beteiligten. Nicht nur Nina und Matthias kommen sich immer näher, nachdem sich der Fjerdan bereits im ersten Teil der Grisha abgeschworen hatte, sondern auch die homosexuelle Beziehung zwischen Wylan und Jesper erhält eine neue Tiefe, obgleich ihre Liebelei nur als kleine Plänkelei im Prequel anklang. Aber auch Kaz und Inej stehen neuen Herausforderungen bevor, die vor allem sein Trauma triggern. Allerdings sind jene Beziehungen überhaupt nicht kitschig, sondern sehr erfrischend und erwachsen für eine Jugendromanze. Auch stehen sie nicht im Vordergrund und werden durchdacht in die Handlung eingebaut.
Ich bin noch immer sehr beeindruckt von den Charakteren, die Bardugo geschaffen hat. Weitere Werke mit jenen Charakteren in der Hauptrolle (das Leben nach den Krähen) würde mich wirklich interessieren!

Fazit
Auch „Das Gold der Krähen“ war ein sehr stimmiges Buch, dessen Haupthandlung mich weiterhin überzeugt hat. Nur die erste Hälfte des Buches war für mich etwas weniger spannend, doch das Finale hat es wett gemacht. Wer sich schon für das erste Buch begeistern konnte, wird diesen wirklich guten Abschluss ebenso genießen – und es betrauern, dass es wohl bei einer Dilogie bleiben wird.

Und, wie fandest du die Bücher um Brekker, seine Bande und Ketterdam? Oder hast du vor sie zu lesen? Lass‘ es mich wissen!

Deine Isabel

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