Die Sprache der Dornen

Leigh Bardugo

Klappentext: Hungrige Wälder, magische Künste und grausame Geheimnisse: In der Welt der ‚Grischa‘ und der ‚Krähen‘ erzählt man sich in langen Winternächten gern Geschichten voller dunkler Versprechungen – von der Meerjungfrau, deren Stimme furchtbare Stürme heraufbeschwört, über eine alte Kräuterfrau, die viel mehr ist, als sie scheint, bis zum hässlichen Fuchs, der sich beim falschen Mädchen einschmeichelt.

Meine Bewertung:
Anmerkung: ich beziehe mich lediglich auf die deusche Ausgabe

„Die Sprache der Dornen“ ist ein düsteres Märchenbuch aus dem Grishaverse. Es behandelt auf 287 Seiten sechs verschiedene Märchen, die vielleicht den Protagonisten aus der Trilogie und den Dilogien als Kinder erzählt worden sind. In der Anmerkung auf den Seiten 286 bis 287 beschreibt Leigh Bardugo kurz den Gedankenprozess dahinter.
Das Buch ist mit vielen Illustrationen geschmückt, die pro Geschichte stark variieren und den Inhalt der Geschichte während der Entwicklung der Handlung unterstreichen. Mit jeder Seite kann ein kleiner Zusatz zur Illustration entdeckt werden – die Illustration entwickelt sich parallel zur Handlung der Geschichte. Ist die Erzählung beendet, folgt eine zweiseitige Illustration des Hauptcharakters der Geschichte. Die Farbgebung ist lediglich in türkis und rot gehalten.

Der Titel „Die Sprache der Dornen“ ist die direkte Übersetzung des englischen Titels „The Language of Thorns“. Zunächst wirkt der Titel jedoch etwas irreführend, da es nicht in jedem Märchen um irgendeine Art von Dornen geht. Allerdings ist es durchaus sinnbildlich dafür zu verstehen, dass es Geschichten sind, die düster und teilweise brutal sind. Die Gefühle „stechen“ sich an ihnen, wie wenn man sich an einem Dorn in den Finger sticht. Ich finde den Titel also sehr klug gewählt, vor allem weil die Motivik von Dornenranken oder Dornenbüschen immer wieder vorzufinden ist.

Das Cover ist wirklich schön. Ich muss sagen, das ist ein Buch, welches ich wegen dem Aussehen gekauft habe und vom Inhalt überrascht war. Es ist ein Hardcover-Einband, welcher in einem dunklem Grau gehalten ist, fast zum Schwarz neigend. In den Ecken finden sich blaue Dornenranken, in deren Mitte jeweils ein Tier abgebildet ist, welches für ein Märchen steht. Die Schrift und jene Tiere sind in einer kupferfarbenen Folienfarbe festgehalten, die sich deutlich vom Buchdeckel abhebt und im Licht schön glänzt.
Es macht insgesamt einen dunklen, aber interessanten Eindruck und gibt schon erste Hinweise auf die Atmosphäre des Inhalts.

Die Geschichten sind düster und brutal. Ich musste sogleich an die Gebrüder Grimm denken, denn auch die Märchen von Bardugo haben etwas Lehrendes und Brutales. Dabei sind sie jedoch sehr unterschiedlich, in der Art, wie sich die Handlung entfaltet. Zudem Bardugo versucht die typischen Märchenmotive (wunderschöne Prinzessin, Happy-End, böse Stiefmutter, die Floskel ‚Es war einmal..‘) nicht zu nutzen und sich somit abhebt.

In der ersten Geschichte geht es um einen Monsterprinzen, welcher aus einem von seinem Vater erbautem Labyrinth entflieht und sich in eine phantastische Wüstenoase rettet. Doch er bringt Unheil über das Volk, indem er die Herden abschlachtet und die Felder verwüstet. Daraufhin wird ein unliebsames Mädchen fortgeschickt um mit ihm zu verhandeln – und es kommt ganze drei Mal wieder zurück ins Dorf, zum Leid der Dorfbewohner.

In der zweiten Geschichte geht es um einen hässlichen, aber schlauen Fuchs und seine Waldfreunde, die von einem tückischen und lautlosen Jäger heimgesucht werden. Der Fuchs hat eine Ahnung wer es ist und versucht die Schwester dessen zu bezirzen, damit er von der weiteren Jagd ablässt. Aber er hat sich mit dem falschen Mädchen eingelassen.

Die dritte Geschichte handelt von einer Hexe, welche Mädchen des Dorfes Duwa entführt und sie scheinbar frisst, denn es wird von ihnen nichts zurück gelassen, als ein Schuh und Blut. Als die Mutter der Protagonistin stirbt und ihr Vater sich eine neue Frau nimmt, die sie nicht leiden kann, rennt sie in den Wald, wird gejagt und kommt an ein Hexenhaus, in dem sie einer alten Kräuterhexe aushilft. Durch einen Zauber findet sie die Hexe – und ihr Vater verstirbt.

Die vierte Geschichte behandelt einen Handelsmann mit einer wunderschönen Tochter, in welche sich jeder verliebt, der sie nur anblickt. Ein Grischa wird auf sie aufmerksam und durch die Hilfe des Flusses, ist er dazu in der Lage die Aufgaben des Vaters zu lösen, in der Hoffnung die Tochter heiraten zu können. Doch der Fluss hat seinen eigenen Willen.

Die fünfte Geschichte handelt von einem Uhrenmacher, der Puppen herstellt um das Herz eines Mädchens zu gewinnen. Er erschafft einen Nussknacker, durch den er all die Geheimnisse des Mädchens erfahren will. Dieser wird jedoch lebendig und alle seine Wünsche erfüllen sich.

In der letzten Geschichte, die ich persönlich am besten fand und die auch die meisten Seiten umfasst, geht es um das Meervolk der Sildroher, welche ihren Gesang nutzen um Meeresmagie zu bewirken. Zwei Mädchen finden sich und singen Harmonien zusammen, die ihnen viel Macht verleiht und das Band der Freundschaft zwischen ihnen knüpft. Die Adelsfamilie wird auf sie aufmerksam und durch Blutmagie gehen sie mit dem jüngsten Sohn an Land, in der Hoffnung ein geeignetes Geschenk für dessen Vater zu finden, damit der Sohn König wird. Der Preis des Geschenks: zwei Lungen. – Und ein durch Verrat geschaffener schwarzer Schrecken, der die Lande teilt und den Adel der Sildroher auszumerzen droht.

Fazit
Ein sehr gelunges Märchenbuch des Grishaverse. Ich war von jeder einzelnen Geschichte gefesselt und überrascht, da sie nicht so ausgingen, wie ich anfangs dachte. Sie sind gespickt durch Plottwists, wodurch die Spannung bis zum Ende erhalten bleibt – und selbst danach regen sie weiter zum Nachdenken an.
Selbst für Leute, die noch keinen Teil des Grishaverse gelesen haben, ist dieses Buch vollkommen zu empfehlen. Es ist ein gutes Buch für Zwischendurch, da sich die Geschichten relativ schnell lesen lassen und trotzdem immer wieder packen. Vorwissen wird dafür nicht gebraucht.

Wie findest du Märchen? Ich finde sie ja sehr spannend! Aber lass‘ es mich in den Kommentaren gerne wissen!

Deine Isabel

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