Liber Bellorum

Blut & Feuer – Warda Moram

„Das ist deine Magie.“
„Sie ist … wunderschön.“
„Noch ist sie nur ein zerstreuter Nebel. Du musst sie sammeln.“
„Wie?“
„Konzentration. Am besten bündelst du sie in der Nähe deines Herzens. Von dort kannst du am einfachsten auf sie zurückgreifen.“
„Und ich soll mich einfach darauf konzentrieren? Ein wenig nachdenken und fertig?“
„Alles, was mit Magie zu tun hat, basiert auf Gedanken. Jeder Zauber, groß oder klein, basiert auf Gedanken.“
Darauf sagte Raven erst einmal nichts. Lieber wollte er es gleich ausprobieren. Er konzentrierte sich also darauf, seine Magie zu sammeln, diesen rot glühenden Nebel zusammenzuziehen, diesen zweiten Herzschlag mit seinem eigenen zu verschmelzen.
– Eifersucht | S. 195 –

Klappentext: Die Dunkelheit wächst mit jedem Moment – so,
wie das Licht mit jedem Moment an Kraft verliert.
Und wenn alles Schatten ist,
wenn Hell und Dunkel ineinanderfließen wie
Staub und Asche, Wasser und Blut;
dann beginnt der kälteste Winder.
Dann beginnen die Vergessenen wiederzukehren.
Die Grenzen wurden gebrochen.
Der Sucher erwacht…
EPISTULAE EXUSTAE, KAPITEL 326

Kyle und Raven, zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten, wandern ruhelos durchs Land. Bis sie eine verbotene Grenzen überschreiten und ein fremdes Reich voller Magie entdecken. Doch wenn alte Legenden wahr werden und die Welt sich größer erweist als geahnt – wird ihr Band ihnen Fluch oder Segen sein?

– Rezensionsexemplar –

„Liber Bellorum“ ist der düstere Fantasy-Auftakt der Autorin Warda Moram, welcher den Genres Dark Fantasy und High Fantasy zuzuordnen ist. Auf 325 Seiten wird die Geschichte von den Brüdern Raven und Kyle erzählt, die als Waisenkinder durchs Land ziehen. Es ist in Prolog, sieben große Kapitel und einen Anhang gegliedert. Jedes Kapitel wird mit einem Zitat eines Magiers, eines Liedes oder einem Zitat aus dem Buch Epistuale Exustae eingeleitet. Im Anhang lässt sich eine Übersicht über die zehn Elemente finden.

Die Handlung wird aus einer allwissenden Erzählperspektive geschildert, welche abwechselnd Kyle, Raven und Melenis fokussiert. Die Erzählung ist sehr dialoglastig und der Schreibstil klar und verständlich.
Inhaltlich wird von Kyle und Raven berichtet, die ihre Eltern bei einem tragischen Brand verloren. Seither kümmert sich Kyle um Raven und sie verbringen immer einige Tage bei fremden Höfen, ehe sie aufgrund des Verhaltens des Älteren wieder das Weite suchen müssen. Sie streiten oft und sind sich selten einer Meinung, wodurch sie sich schlussendlich dazu entschließen, getrennte Wege zu gehen. Unbewusst führt es Beide über die Grenze zu den verbotenen Landen, von welchen man sich sagt, dass man aus jenen nie wieder zurückkehrt. Selbst die Grenze sei von den Göttern verflucht. Jedoch gelingt es beiden – und sie entdecken ein Land voller Magie, mit deren Hauptstadt Lunaris, die unweit der berühmtesten Magieakademie liegt.
Doch die Schatten sind nun auf der Jagd..

Der Titel „Liber Bellorum – Blut & Feuer“ ist aufgrund des Lateins weniger offensichtlich zu entschlüsseln. Betrachtet man die Übersetzung, könnte vom „Kriegsbuch“ oder Ähnlichem die Rede sein, welches durchaus zum Ende der Erzählung passen würde. „Blut & Feuer“ referiert hierbei auf die Brüder und die Elemente, welche innerhalb der Magieakademie thematisiert werden und die Magie des Landes bestimmen.
Der Titel ist ansprechend, jedoch habe ich mir mit dem Merken sehr schwer getan. Wer jedoch in Latein versiert ist, wird damit sicherlich keine Probleme haben. Ich nehme auch gerne eine Korrektur bezüglich meiner Interpretation von Liber Bellorum entgegen!

Das Cover ist jedoch ein Traum! Es ist dunkel gehalten und mit orangeroten Elementen, in den Ecken gespickt. Zudem ist auch die Schrift in jener Farbe gehalten. Was jedoch besonders daran ist, sind die Prägungen, wodurch das Cover aussieht, wie ein alter, mysteriöser Buchdeckel. Es ist nicht nur eine Augenweide, sondern macht auch beim Anfassen Spaß!

Der Plot hat sich nur langsam entfaltet. Ein Drittel des Buches bestand aus Einleitung, in welchem die beiden Protagonisten und deren Charakterzüge vorgestellt wurden, deren Verhältnis als Brüder. Der Leserschaft wird auch ein kleiner Einblick in deren Vergangenheit ermöglicht. Jedoch kommen sie nur langsam voran, unterhalten sich viel und abgesehen davon, dass Kyle sich als ignorantes Arschloch und Raven als der ruhige, besonnene, aber doch impulsive Bruder enttarnt, passiert nicht viel.
Erst danach nimmt die Handlung langsam ihren Lauf und sie entdecken einzeln das mysteriöse Land der Magie, mitsamt der Stadt Lunaris. Was ich jedoch nicht erwartet habe: dass es vordergründig um eine Magierakademie geht. Dort lernt die Leserschaft die dritte Protagonistin kennen, welche den nun Hauptort näher bringt und die magischen Inhalte innerhalb der Erzählung erklärt.
Ab etwa der Hälfte des Buches, nachdem auch Melenis gebührend eingeführt wurde, dümpelt es vor sich hin. Erst im letzten Drittel wird nochmal Fahrt aufgenommen und eigentlich konzentriert sich die ganze Spannung auf diese Seiten – und endet in einem Cliffhanger.

Ich persönlich habe aufgrund des Klappentextes etwas anderes erwartet. Insbesondere keine Magierakademie, welche mir aber überraschenderweise gut gefallen hat. Am Anfang tat ich mir jedoch schwer im Geschehen anzukommen, da ich mich weder mit Raven, noch mit Kyle identifizieren konnte, während ich den Mittelteil gut und das Ende wieder weniger gelungen empfand.
Zwischenzeitlich lag der Fokus sehr auf zwischenmenschlichen Beziehungen, vor allem auf eine (oder auch zwei) Romanzen. Ich habe mich dabei ein wenig wie in einem New Adult-Roman (wie ich mir so einen zumindest vorstelle) gefühlt und empfand die Sprunghaftigkeit als wenig glaubhaft.
Und was mich richtig irritiert hat, war der Zeitsprung von zwei Jahren, auch wenn ich verstehe, weshalb er eingesetzt wurde. Doch warum hat man dann nicht dort einen Schnitt gemacht und das zweite Buch, welches wenige Kapitel später sowieso mit einem Cliffhanger angeteasert wird, da beginnen lassen?

Die Charaktere… nun. Ich empfand weder Kyle, noch Raven, noch Melenis als sonderlich tiefgründig. Sie hatten gewisse Charakterzüge an sich, welche sich durch das ganze Buch gezogen haben und sich nicht wirklich veränderten. Das einzige, was sich verlor, war Ravens selbst auferlegte Stummheit. Doch wesentliche Charakterveränderungen konnte ich nicht vorstellen.
Kyle wurde als impulsiver, egoistischer Bruder vorgestellt, welcher mit Mitte 20 kindischer agiert, als sein jüngerer Bruder Raven. Er schreckt vor Brutalität nicht zurück; begeht Straftaten und drängt sich Mädchen auf, ohne jeden Skrupel zu verspüren. Selbst als er Raven sein großes Geheimnis offenbart, verfällt er danach wieder in sein altes Verhalten. Anstatt einer Charakterentwicklung erfährt er gegen Ende eine Validation seines Verhaltens und ist genau dort, wo er hin gehört.
Raven wird als besonnener, ruhiger Bruder vorgestellt, der von den Lügen des Älteren genug hat. Er sehnt sich nach einem Zuhause, doch gleichzeitig kann er sich von Kyle nicht losreißen. Anfangs ist er sehr wortkarg, aufgrund des geringen Respekts, der ihm entgegen gebracht wird. In der Akademie fühlt er sich halbwegs wohl und redet mehr, versucht Gefühle zuzulassen. Doch abgesehen davon, dass er mehr spricht, bleibt er so ruhig, wie man ihn kennen lernt.
Nur Melenis war mir wirklich sympathisch. Sie wirkte wie eine unsichere, aber irgendwie taffe junge Frau, die versucht ihren Weg zu gehen. Sie wirkte auf mich ihrem Alter entsprechend – auf dem Weg zum Erwachsenwerden, aber doch noch ein Teenager. Vielleicht erklärt das auch die merkwürdige Sprunghaftigkeit in Sachen Romanze – vielleicht aber auch nicht. Meiner Meinung nach erfährt sie die meiste Entwicklung, da sie den Egoismus überwindet und stattdessen tatsächliche Gefühle zulässt. Aber auch hier fehlte mir eine facettenreiche Tiefgründigkeit.

Die Nebencharaktere sind da und interagieren mit den Protagonisten, aber auch sie erhalten keine Fülle an Charaktereigenschaften. Die Altmagier ähneln sich in großen Zügen, erhalten aber ihren Elementen entsprechende Eigenschaften. Es gibt hier und da Konflikte, aber wirklich begeistert war ich nicht.

Fazit
Ein solides Buch, mit viel Potenzial. Ja, ich hatte meine Probleme mit den Charakteren und auch mit dem Anfang und dem Ende. Allerdings hat mich die Magier-Akademie überrascht und auch wenn ich immer wieder Hogwarts im Kopf hatte und es mir schwer fiel sie als eigenständiges Motiv zu betrachten, hat sie mir im Grunde genommen gut gefallen. Dennoch hätte ich vorher gerne gewusst, dass der Fokus schließlich darauf liegt.
Vor allem überzeugt hat mich die Diversität der Magie. Ich finde die Idee mit den zehn Elementen echt cool und spannend. Auch die Zitate zu Beginn der Kapitel, welche der Handlung ein wenig Tiefe verliehen, haben mich begeistert. Und auch Melenis hat mir gut gefallen, wohingegen ich die Brüder als sehr stereotypisch (ein guter Bruder, ein böser Bruder) und flach empfand.
Auch das World Building finde ich cool. Ich mochte Lunaris und das, was über die anderen Teile des Landes erzählt wurde. Davon hätte ich persönlich noch gerne mehr erfahren.

Wenn du mehr zu dem Buch, der Autorin oder dem Verlag erfahren möchtest, dann schau mal hier vorbei: https://www.liber-bellorum.de/.

Eure Isa

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