Pyria – Spiel im Schatten

– Elin Bedelis

„Also plant die Klinge etwas.“, vermutete Chitra und sah Gwyn forschend an. Ja, und ihr spielt ihm perfekt in die Karten, wenn das hier richtig läuft, dachte Gwyn und verniff sich ein Grinsen. Stattdessen fuhr er sich in einer müden Geste mit der Hand übers Gesicht.
„Ach, der plant doch immer irgendetwas“, winkte Jenko ab. Immerhin gaben sie sich jetzt Mühe.
Gwyn beschloss, ihnen ein wenig Futter zu geben. „Aber nicht so“, jammerte er und nahm einen tiefen Schluck. „Ich hasse Schiffe“, maulte er weiter und täuschte ein sehr überzeugendes Hicksen vor, wie er selbst fand.
„Du wohnst in einer Hafenstadt“, erinnerte Jenko ihn. Er war wild auf mehr Informationen, die Begierde danach stach ihm förmlich aus den Augen, als er Gwyn taxierte.
„Da muss ich aber nicht auf ihnen fahren!“, lallte Gwyn dramatisch und stellte fest, dass der fast leere Krug tatsächlich begann, eine leichte Wirkung zu entfalten. Es machte das Schauspiel leichter, bedeutete aber auch, dass er aufpassen musste.
Fährten legen | S. 107 –

Klappentext: Es gibt nur einen Namen, der in Cecilia ebenso viel Furcht wie Bewunderung auslöst: Machairi, der Messerdämon, der gefährlichste Schatten der Stadt. Seine legendären Künste mit dem Messer, sein unberechenbarer Intellekt und seine kontrollierte Kälte haben ihn zu einem lebenden Mythos weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus gemacht. Die Motive des Schattens liegen im Dunkeln, seine Pläne grenzen an Wahnsinn und selbst seine engsten Vertrauten können nur vermuten, was ihn ausgerechnet auf einen fernen Kontinent zieht. Wofür nimmt der Messerdämon eine sanftmütige Harethi, einen fröhlichen Feuerspucker, eine eigensinnige Blinde und einen grimmigen Schlossknacker mit auf eine Reise in die tödlichen Weiten der Wüste und die Abgründe ihrer eigenen Geschichten? Glaubt er tatsächlich an die Legende des allwissenden Orakels oder verbirgt er seine wahren Absichten? Und kann man einem Mann vertrauten, der mehr Dämon als Mensch zu sein scheint? Die Zweifel mehren sich und die ungleiche Reisegruppe braucht Antworten – bevor es zu spät ist

-Rezensionsexemplar- [Buch selbst gekauft, allerdings das eBook als Rezensionsexemplar erhalten]

„Pyria – Spiel im Schatten“ ist der erste Band der fantastischen Trilogie der Selfpublisherin Elin Bedelis, welcher auf 730 Seiten die abenteuerliche Geschichte von Machairi und seinen Gefolgsleuten erzählt. Unterteilt ist es in 42 Kapiteln, welche mit kleinen individuellen Illustrationen geschmückt sind, sodass gleich ersichtlich ist, aus wessen Sicht erzählt wird. Insgesamt wird die Handlung aus vier verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Jene Figuren stellen gleichzeitig die Protagonisten dar. Das Werk ist durchweg in der personalen Erzählperspektive verfasst.

Die Handlung beschreibt ein Abenteuer durch die Wüste, aufgrund eines Plans, dem jedem (einschließlich Leser*in) unbekannt ist, abgesehen von Machairi, doch aus seiner Perspektive erfährt die Leserschaft nichts.
Dabei werden die einzelnen Hintergründe der Figuren genauer beleuchtet: die sanftmütige Léen will ihren Vater retten und erweckt Fähigkeiten, von denen sie nichts wusste; der fröhliche Gwyn wird zu einer wandelnden Zeitbombe; der grimmige Mico kämpft mit der Frage nach einer verflossenen Geliebten und die eigensinnige Vica verliert ihre vertrauten Sinne.
Trotzdem baucht Machairi sie alle – und sie folgen.

Der Titel „Pyria – Spiel im Schatten“ ist sehr klug gewählt. Nun, Pyria umfasst die ganze Welt, in welcher dieses epische Abenteuer von Statten geht. „Spiel im Schatten“ referiert hierbei wohl auf Machairi und dessen Macht, die er auf sein Gefolge hat. Vielleicht ist es auch ein kleiner Hinweis auf das Ende, doch das werde ich natürlich nicht verraten!

Das Cover zeigt zentral eine blasse Figur, in dunkler Kleidung gehüllt. Insbesondere der weiße Handschuh an der rechten Hand und das Messer an der Hüfte sind prägnant und lassen auf den Protagonisten Machairi schließen. Umrahmt wird er von einem Torbogen, in vielen verschiedenen Brauntönnen gehalten, welches in ein dunkleres Tor mündet und schlussendlich in einen goldenen Bogen. Der beige Titel steht auf den Bögen und hebt sich durch die helle Farbgebung ab, während der Autorinnenname in braun auf dem grauen Boden verewigt ist. Es ist ein schönes Cover, welches bereits einen orientalischen Flair vermittelt und die Atmosphäre des Buches einfängt.

Der Plot ist an einigen Stellen aufregend, an vielen Stellen jedoch langwierig. Ich habe mir damit schwer getan. Durch den Klappentext habe ich mir einen schnelleren Start im eigentlichen Abenteuer gewünscht, nämlich in der Wüste. Jedoch hat es sehr lange gedauert, bis der Plot überhaupt in Fahrt kam. Natürlich muss erst einmal in die Welt und die Geschehnisse eingeführt werden. Meiner Meinung nach gab es aber zu viele Beschreibungen und Wiederholungen, die in den unterschiedlichen Perspektiven immer wieder aufgenommen wurden. Es einmal in der Perspektive eines Charakters zu beschreiben, hätte gereicht und nur wichtige Stellen wiederholen, wenn es aus Sicht des anderen Charakters einen erheblichen Unterschied gemacht hätte.

Zudem wurden Dinge, die ich bereits zu Anfang erklärt hätte, erst am Ende erklärt und ich glaube, dass mir dadurch manche Details, die gegen Ende nochmal wichtig gewesen wären, entfallen sind, weil ich sie schlicht nicht mehr aufrufen konnte.
Außerdem haben sich mir durch die beschränkte Erzählersicht viele Fragen aufgetan, wodurch mir die gesamte Handlung nicht immer ganz erschließbar war und es mich wirklich frustriert hat.

Ebenso überrascht hat mich die Plot-Wendung gegen Ende, die ich leider nicht verstanden habe. Da ich aber so spoilerfrei wie möglich sein möchte, führe ich sie nicht an. Vielleicht bemerkst du ja etwas beim Lesen?

Die Nebenplots, bestehend aus den Geschichten der Charaktere, waren besser verständlich und interessant zu lesen. Ich mochte die Kapitel aus Vicas Sicht, in welcher sie die Kontrolle über ein Tier hat. Und ich mochte auch Gwyns Probleme mit seiner Magie. Micos Geschichte habe ich nicht ganz erschlossen und Léens hat sich noch nicht vollkommen erfüllt, doch da eine Fortsetzung geplant ist, wird es wohl dort Aufschlüsse geben.

Die Charaktere sind alle total unterschiedlich, aber richtig spannend. Ich fand sie sofort sympathisch; selbst Mico und Machairi konnte ich etwas abgewinnen. Mein Liebling ist aber eindeutig Strahlemann-Gwyn, welcher jedoch harte Konflikte durchleben muss. Doch seine überaus positive Art hat mir richtig gefallen!
Und auch die bissige Vica, welche so gut wie nur mit ihrem Wieselfreund Puki anzutreffen ist und sich eher schroff gegenüber den Anderen verhält, hat mir mega gut gefallen. Ich mochte ihr Handicap – und könnte ich Magie, dann wäre es wohl ihre!
Léen, die Schüchterne, war mir manchmal etwas zu viel und trotzdem wollte ich sie in den Arm nehmen und ihr sagen, dass alles gut wird. Sie hat mit harten Schicksalsschlägen zu kämpfen und erweckt Dinge, die sie gar nicht will. Dazu wird sie von Vica und Mico gehasst, obwohl sie sich auch etwas Schöneres vorstellen könnte.
Mico habe ich nicht gleich verstanden, da er im Vergleich der anderen Protagonisten nur eine kleine Einleitung erhielt, aber irgendwie war mir bewusst, dass hinter seiner harten Schale ein weicherer Kern stecken muss. Ich finde, von der Charakterentwicklung hat er am meisten durchgemacht, auch wenn seine Geschichte eher unterschwellig präsentiert wurde. Der Fokus lag eben auf Gwyn und Léen. Dennoch ist er mir insbesondere am Ende wirklich sympathisch geworden.
Machairi.. am Anfang mochte ich ihn. Dann nicht mehr. Er wirkt zu unnahbar und distanziert, dass ich noch nicht einmal als Leserin ein wirkliches Interesse an ihm aufbauen konnte und mir nicht vorstellen kann, wie solch ein Typ von Mensch ein wirklicher Anführer sein kann. Zwar hatte er durchaus ’nette‘ Momente, aber trotzdem wahrte er stets seine Maske um seinen Mythos aufrecht zu erhalten – zum Leid seiner Gefolgschaft.

Was mich jedoch gestört hat, war dieser blinde Gehorsam aller. Mico, der magisch stärker aufgestellt war und schlussendlich ein eigenes Ziel hatte, welches er verfolgen wollte, entschied sich dann aber doch bei ihm zu bleiben, für eine Aufgabe, die er noch nicht einmal unterstützte. Oder Gwyn, welcher ihn förmlich anbettelte bei ihm bleiben zu können, obgleich er in Hareth sicherlich einen besseren Job gefunden hätte. Und Léens Vernarrtheit, die sie total von ihm abhängig gemacht hat. Ich hätte mir gewünscht, dass die Charaktere ein wenig mehr Rückgrat beweisen oder es ersichtlicher wäre, warum sie doch bei ihm bleiben, wie in Vicas Fall. Da war es von Anfang an deutlich, was sie und Machairi verband und wieso sie bei ihm blieb. Wäre ich an Micos Stelle gewesen, ich hätte Machairi in den Sand geschickt und dann wäre ich gegangen. Und spätestens am Ende hätte ich auch als Gwyn das Weite gesucht.
Ein Anführer muss gewisse Qualitäten haben, um ein Team zusammen halten zu können. Leere Drohungen, Macht und Ruf reichen dafür – meiner Meinung nach – nicht aus.

Fazit
Auch wenn ich manches zu kritisieren hatte, war es ein solider Auftakt. Nicht zu vergessen: es ist Elin Bedelis erste Veröffentlichung. Allerdings hätten ein paar Seiten weniger auch nicht geschadet, da es viele Doppelungen gab, die einfach in zweifacher Version das Selbe dargelegt haben und nicht wirklich zur Handlung beitrugen. Zudem hätte ich mir insbesondere die Einführung in die Magierzirkel bereits zu Beginn gewünscht um genau nachvollziehen zu können, wieso Magier eher gemieden und gehasst wurden – und wie die Magie der Protagonisten einzuordnen ist, denn abgesehen von Mico, welcher reflektierter über die Magie der Anderen nachdachte, schien es jene nicht zu stören oder weiter zu beeinflussen.
Doch die Charaktere haben mir wirklich gut gefallen! Und auch die zwei Länder, die vorgestellt wurden – Cecilia und Hareth – haben mich überzeugt. Vor allem, dass sie so divers und komplett gegenteilig sind.

Aber macht euch gerne ein eigenes Bild vom Buch! Dieses ist jetzt überall erhältlich. Außerdem könnt ihr auf Instagram bei @elinbedelis mehr erfahren. Oder besucht doch ihre Homepage: https://www.elinbedelis.de/.

Eure Isa

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