Shadow and Bone

Die Netflix-Adaption der Buchreihe

„Shadow and Bone“ ist die am 23. April erschienene Netflix-Verfilmung der Grishaverse-Trilogie um Alina. Die erste Staffel beinhaltet 8 Episoden, die jeweils etwa zwischen 45 und 60 Minuten gehen. Die Handlung richtet sich nach dem ersten Band der Trilogie, „Goldene Flammen“. Zusätzlich werden die Krähen eingeführt, die Diebesbande, um die es in der nachfolgenden Dilogie geht – demnach wurden Handlungen aus „Das Lied der Krähen“ mit der Haupthandlung um Alina verwoben.
Natürlich wurden die Inhalte der Bücher nicht 1 zu 1 übernommen. Welche Veränderungen gab es also? Und lohnt sich die Serie?!

Handlung der Staffel
(Achtung! Spoiler: ich zähle die komplette Handlung auf)
Die Haupthandlung verläuft fast linear zur den Ereignissen, die Leser*in aus dem Buch kennt. Lediglich eine Art Vorgeschichte der Krähen, die zur Belustigung und Vorstellung der drei Protagonisten eingeführt wird, wird damit vermischt. Als zusätzliche Nebenhandlung wird die Vorgeschichte von Nina und Matthias erzählt, wie sie im „Lied der Krähen“ geschildert ist.

Alina ist Kartographin der ersten Armee und erweckt auf der Schattenflur ihre Grisha-Gabe. Daraufhin wird sie dem Dunklen (in der Serie General Kirigan und Anführer der zweiten Armee) vorgestellt und mit zum Kleinen Palast mitgenommen, an welchem Grisha in den Kleinen Künsten unterrichtet werden. Dort trainiert sie und lässt sich von General Kirigan manipulieren, indem sie machtvolle Gefühle zu ihm verspürt, sodass sie das gemeinsame Ziel, die Zerstörung der Schattenflur, verfolgen.
In der Zwischenzeit lernt man die Krähen kennen, welche den Auftrag erhalten Alina Starkov zu stehlen und nach Ketterdam zu bringen. Sie treffen auf den ‚Dirigent‘, welcher sie sicher durch die Schattenflur nach Ravka bringen soll. Dort versuchen sie Alina bei einer Zuschaustellung mitzunehmen, während der ‚Dirigent‘ fortan seinem eigenen Handel nachgeht.
In dem Zuge erfährt Alina von den Kräftemehrern, Merzost und dem Hirsch, nach dem Fährtenleser suchen sollen, darunter Mal. Der Hirsch wird gefunden und Baghra, welche Alina in ihren Künsten unterrichtet, klärt sie über die Gefahr und General Kirigans Ziele auf. In dem Zuge wird die ganze Vergangenheit des Dunklen offen gelegt.
Mit Baghras Hilfe flieht Alina, wird von den Krähen ‚entführt‘ und gehen gelassen. Ihr Ziel ist jedoch noch immer gleich, doch dem Dunklen kehrt sie den Rücken. Alina flieht und trifft auf Mal und zusammen finden sie den Hirsch, den sie als Kräftemehrer braucht. Doch sie will ihn nicht töten. Auf der Lichtung werden sie von General Kirigan unterbrochen, der den Hirsch umbringt und ihr daraufhin den Kräftemehrer anlegen lässt, sodass er ihre Kräfte nutzen kann. Er nimmt sie in gewahrsam und führt sie vor, wodurch er Abgeordnete jeden Landes einlädt und mit ihnen auf die Schattenflur fährt – darunter als blinde Passagiere auch die Krähen, welche Alina helfen wollen.
Doch er will die Flur nicht zerstören – er erweitert sie um seine neugewonnene Macht zu demonstrieren. Ein epischer Kampf entbrennt und durch Mal wird der Dunkle von einem Volkra verschleppt.
Alina, Mal, Zoya und die Krähen überleben, finden aus der Flur heraus und trennen sich – die Krähen auf dem Weg zurück nach Ketterdam, Alina und Mal auf der weiteren Suche nach dem nächsten Kräftemehrer. Der Dunkle, den sie als getötet glauben, überlebt und erschafft weitaus schlimmere Schattenwesen.

Charaktere
Auch die Charaktere der Serie sind bis auf eine neue Bekanntschaft gleich: der ‚Dirigent‘, welcher vor allem für die Krähen-Handlung von Bedeutung ist, wird eingeführt. Desweiteren wurden an manchen Charakteren Veränderungen vorgenommen, die ich ziemlich interessant finde!

Alina wird im Buch als unscheinbares, normales Mädchen beschrieben. Ihre Nationalität wird nicht wirklich betont. In der Serie gehört sie der Nation Shu Han an, wodurch sie rassistischen Anfeindungen ausgeliefert ist.
Die Beziehung zwischen Mal und Alina wird in der Serie zudem anders betont. Ich empfand es im Buch als kleine Romanze, aber dann doch nicht.. dann mochten sie sich nicht.. dann doch.. Ich habe nie verstanden welche Rolle Mal tatsächlich für Alina spielt. In der Serie wird die Bedeutung mehr herausgestellt. Leider wurden aber die Konflikte nicht betont, wie der aufgehaltene Briefverkehr, welcher dazu führte, dass sie sich von Mal trennt und zu dem Dunklen hingezogen führt. In der Serie wird dieser Konflikt nicht wirklich deutlich sondern allein aufgrund ihrer Macht begründet.
Damit einhergehend wird auch die Dreieckskonstellation zwischen dem Dunklen, Alina und Mal nicht wirklich deutlich. Mal und General Kirigan haben so gut wie keine Beziehung zueinander; Mal handelt einfach nur Alina zuliebe und lediglich ergänzend. Da ist die beziehungstechnische Dynamik in meinen Augen etwas verloren gegangen.
Der Dunkle, in der Serie General Kirigan, erhält einen Namen. Zudem wird seine ganze Geschichte bereits offen gelegt, welche sich erst nach und nach in den Büchern entpuppt – sein Mysterium wird in der Serie nicht lange aufrecht erhalten.
Genya, Zoya und David sind so, wie im Buch auch. Da Zoya für weitere Teile wichtiger wird, ist sie jedoch in der Staffel besonders präsent, wobei sie das im Buch nicht unbedingt war. Auch David bekommt markante Züge, die im Buch eher untergehen.
Baghras Beziehung zu General Kirigan wird ziemlich schnell offen gelegt, was jedoch im Buch nicht so ist. Sie offenbart sich zügig als dessen Mutter.
Auch Kaz, Jesper, Inej, Nina und Matthias sind wie in der Dilogie. Ich finde es besonders gut, wie die Beziehung zwischen Nina und Matthias betont und vorgestellt wird. Leider, ich denke aufgrund der visuellen Umsetzung, hat die Unnahbarkeit und die Master-Mind-Stärke von Kaz etwas leiden müssen.
Als neue Nebenfigur wird auch der ‚Dirigent‘ eingeführt, den es in den Büchern nicht gibt. Er verfolgt sein eigenes Ziel, agiert jedoch mit den Krähen und sorgt für Humor. Ich empfand ihn als durchaus passende Ergänzung um die Handlungsstränge miteinander zu verbinden.

Änderungen
Auch wenn die Handlung in großen Teilen aus dem Buch übernommen wurde, gab es jedoch einige Änderungen, vor allem daraus mündend, dass die Handlungsstränge der Dilogie mit der der Trilogie verbunden wurden.

Besonders auffallend empfand ich die Nationalität von Alina. Wie erwähnt wurde sie in den Büchern nicht genauer definiert, aber in der Serie gehört sie zu Shu Han, was aufgrund der Schauspielerin durchaus logisch ist. Innerhalb der Serie erfährt Alina immer wieder rassistische Anfeindungen, obwohl sie nicht der einzige Charakter ist, der eine andere Nationalität hat (zum Beispiel Jesper oder Inej). Es ändert an sich auch nichts an der Handlung, aber mich hat es direkt an die momentane rassistische Problematik in den USA erinnert, die sich gegen die asiatische Bevölkerung richtet. Leigh Bardugo ist dafür bekannt, dass sie sich für Minderheiten, Diversität und politische Ereignisse interessiert und einsetzt. Vielleicht wurde es auch so gewählt um darauf aufmerksam zu machen?
Die wohl größte Änderung war jedoch zugunsten der Handlung der Krähen. In der Dilogie haben sie nichts mit Alina zu tun – in der Serie wird eine Vorgeschichte erfunden, welche mit kleinen Handlungen aus „Das Lied der Krähen“ übereinstimmt und gleichzeitig auf die Erzählung von Alina eingestimmt wird. Ich muss sagen.. ich empfand die Einbettung der Krähen als überaus gelungen, humorvoll und intelligent umgesetzt. Es wurde die Möglichkeit geboten die Krähen kennen zu lernen und gleichzeitig den Handlungsstrang von Alina zu verfolgen. Damit einhergehend empfand ich auch die Einbettung des Verbindungsgliedes des ‚Dirigenten‘ durchaus sinnvoll und logisch. Das wurde wirklich gut gemacht!
Ein wenig überrascht war ich aber über die Namensgebung des Dunklen und dessen prompte Offenlegung der Vergangenheit. Für mich hatte er in den Büchern etwas Verführerisches, Mystisches, welches sich erst im Laufe der Bücher wirklich offenbarte. Doch in der Staffel wurde man gleich damit konfrontiert. Ich weiß noch nicht ganz wie ich dazu stehen soll..
Die Einführung der Vorgeschichte von Nina und Matthias habe ich bis zum Ende hin nicht verstanden und empfand sie an manchen Stellen als unpassend. Ich mochte den Nebenstrang trotzdem, aber er wurde nicht gut eingebettet. Ich fand es schwierig, dass es erst am Ende Sinn machte. Gleichzeitig könnte es ein Vorgeschmack auf Staffel 2 sein, denn der Anschluss von Nina an die Krähen impliziert die Rettung von Matthias aus dem Höllenschlund.. und wir wissen, was das bedeutet: der Hauptplot der Krähen wird thematisiert?! Aber sicher ist das natürlich nicht.
Besonders gelungen empfand ich die Darstellung des Kräftemehrers. Im Buch habe ich ihn mir wie ein Schmuckstück vorgestellt, doch in der Staffel wird er als Körpermodifikation gezeigt, was ja auch durchaus Sinn macht. Er zeigt, dass es verbotene Magie ist und kein Schmuckstück. Er hat etwas Mächtiges und Grauenvolles.

Fazit
So, nachdem ich nun alles dargelegt habe.. wie empfand ich die Serie?
Überaus. Gelungen. Ich war begeistert, von Folge 1 an. Es wurde eine tolle, düstere Atmosphäre geschaffen. Die Schauspieler haben die Charaktere toll verkörpert. Die Musik, die Kostüme, die Landschaften – einfach alles hat gestimmt (mich hat nur der Leuchteffekt von Alina etwas gestört). Die Handlungssträge wurden spannend miteinander verwoben und durch die Verbindungsfigur logisch erklärt. Es gab Stellen, die man nur verstehen konnte, wenn man die Bücher gelesen hat – aber das waren eher kleine Schätze, die man in den Folgen vorfinden konnte. Außerdem hat Milo die ganze Staffel abgerundet. Jeder braucht jetzt eine kleine Kuschelziege!
Ich würde die Serie sogar besser bewerten, als die Bücher. So wirkte alles lebendiger und es wurde das Augenmerk wirklich auf die relevanten Dinge gelegt. Ich würde sie definitiv empfehlen, egal ob man die Bücher vorher gelesen hat oder nicht. Also schaue sie dir unbedingt an!

Habt du sie schon gesehen? Oder hast du jetzt Bock drauf? Lasst es mich gerne wissen!

Deine Isabel


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